Steven Mack, der Blindgänger
Wie ist es, wenn man zweimal lebt? Steven Mack weiss es und kann davon einige Geschichten erzählen. Sein erstes Leben begann wohlbehütet, wurde abenteuerlich - und endete mit 20 Jahren jäh und spektakulär.
Steven Mack kam 1986 auf die Welt und wuchs in Volketswil im Zürcher Oberland auf. Nach der Sekundarschule machte er in Zürich eine Lehre als Hochbauchzeichner. Doch Schulbank und Büro, das Leben in der Stadt und geheizten Räumen waren nichts für ihn. Wirklich lebendig fühlte sich Steven nur draussen in der Natur bei Wind und Wetter. Als Dreizehnjähriger begann er zu klettern und Grenzen auszuloten. Er bezwang schwierige Wände und hohe Gipfel, er sprang an Seilen ab Bäumen und Brücken, tauchte in zugefrorenen Seen und schlief im Schnee. Seine Jugend war Abenteuer pur. Später wollte Steven Bergführer werden. Doch dazu kam es nicht. Im Frühling 2006 rissen bei einem Brückensprung von der Walliser Ganterbrücke am Simplon die Seile. Der junge Mann stürzte 150 Meter in die Tiefe. Sein erstes Leben endete, sein zweites begann nach dem harten Aufprall auf felsigem Boden. Sein Kopf war zertrümmert, sein übriger Körper überstand den Aufprall auf wundersame Weise. Steven Mack wachte aus dem Koma in einer neuen Welt auf. Seither ist er blind - und sieht die Welt mit anderen Augen. Und: Sein zweites Leben ist nicht weniger abenteuerlicher als sein erstes vor dem Unfall. Steven Mack hat sich in die Welt der tausend Therapien und Heilsversprechen gewagt und wieder herausgefunden. Heute bezeichnet er sich als selbstständiger Denker, Schreiber und Hausmann, hält Vorträge und Referate über das Risiko Leben und sagt frohgemut, dank seines Begleiters, dem Blindenstock, sei er nie allein und lerne stetig neue Menschen kennen. Unter dem Titel „Der Blindgänger - Das gewagte Leben des Steven Mack" ist vor kurzem ein Buch über ihn erschienen.